[Projekt 52] Fotografie

Winterlandschaft – Fotografie – Projekt 52

Das zweite Thema beim Projekt 52 dieses Jahr ist so naheliegend wie herausfordernd: Fotografie.

Ich wusste erstmal nicht so recht, was ich daraus machen würde. Einfach nur meine Kamera oder eines der Objektiv abzulichten, war mir etwas zu platt. Diese Art Fotos habe ich halt schon öfter aufgenommen und wollte das nicht wiederholen. Gleichzeitig sind das aber nunmal die Werkzeuge schlechthin, die es zum Fotografieren eben braucht. Hmm.

Gedanken auf einem Winterspaziergang

Ich sinnierte immer noch über dieses Thema, als ich heute früh durch den Schnee stapfte, die Kamera in der Hand. Über Nacht hatte es nämlich nochmal geschneit und diesmal Schnee von der Sorte, der auf den Ästen und Zweigen liegenbleibt und alle Bäume ausschauen lässt, als hätte jemand ganz viel Puderzucker darübergestreut.

Es war gerade erst hell geworden, der Himmel grau und wolkenverhangen.
Bis auf ein paar einzelne Krähen im Nebel und meine Schritte war es still.

Verschneite Landschaft

Eine feine Mischung aus Schnee und Regen, zu flüssig für Schnee, zu weiß für Regen, fiel beständig und durchweichte meine dicke Wollmütze, die ich mir gegen die Kälte über die Ohren gezogen hatte. Die Kamera hatte ich zum Schutz vor der Nässe in eine Plastikhülle gesteckt, aus der nur die Gegenlichtblende des Objektivs herauslugte.

Verschneite Landschaft

Es war die Art von Winterwetter, bei der man es sich normalerweise eingekuschelt unter einer warmen Decke auf dem Sofa gemütlich macht. Nur wer Tiere oder sonstige Verpflichtungen hat, geht da vor die Tür.

Warum bloß tat ich mir das freiwillig an?!
Der Grund ist simpel: der Fotografie wegen.

Fotografen-FOMO

Etwas in mir beginnt zu kribbeln, wenn sich Fotomotive bieten. Ganz besonders dann, wenn sie selten und flüchtig sind. Schnee gehört definitiv dazu, und Ausflüge, und besondere Lichtsituationen, und und und. Generell die Zeit mit meinen zwei- und vierbeinigen Lieben; Leben ist kostbar und viel zu schnell vorbei-

Es ist eine ganz eigene Form von FOMO, dieser fear of missing out: die Angst, einen Moment zu verpassen, der so schnell wieder vergangen sein wird, wie er gekommen ist. Fotografen-FOMO.

Verschneite Landschaft

Deshalb habe ich fast immer eine Kamera dabei, und sei es nur das Handy.
Deshalb hielt mich heute Morgen trotz Kälte und Nässe nichts im Haus.

Wenn ich fotografiere, kann ich der Vergänglichkeit einen Augenblick abtrotzen. Ich kann den Moment ganz bewusst wahrnehmen, auf den Auslöser drücken und damit ein klein wenig von ihm festhalten, ehe er zu nichts als einer verblassenden Erinnerung wird.

Verschneite Landschaft

Wenn ich mir Jahre später Fotostrecken anschaue und in alten Ordnern stöbere, kommen dank der Bilder unzählige Kleinigkeiten zurück: wie Freunde und Verwandte früher mal aussahen (so jung!). Überhaupt, wer da alles auf den Bildern zu sehen ist, den man vielleicht längst aus den Augen verloren hat. Was wir unternommen haben, wo wir waren, welche Alltagsgegenstände uns begleitet haben.

In meinen Bildern versuche ich dabei immer auch einzufangen, wie sich dieser Moment für mich anfühlt. Meine Eindrücke, meine Stimmung, meine Wahrnehmung der Situation.

Fotografie, Bildbearbeitung & KI

Weil es mir in meinen Fotos um Emotionen geht und um Geschichten, finde ich auch Bildbearbeitung nicht verwerflich. Der Sommernachmittag auf der Wiese war unbeschwert und schön, die Sonne hat angenehm auf der Haut gebrannt? Da drehe ich die Farbtemperatur der Fotos mehr ins Warme, lasse die Farben aufleuchten. Das Hochzeitspaar hatte nur Augen füreinander und nicht für den zusammengeklappten Sonnenschirm im Hintergrund? – Weg mit dem ollen Ding.

Wie ich zur Bildretusche stehe, habe ich vor einigen Zeit mal ausführlicher dargelegt:

Im KI-Zeitalter wird die Grenze zwischen dem Bearbeiten eines „echten“ Fotos und dem Erzeugen eines „künstlichen“ Bildes zunehmend unscharf. Selbst, wenn du nicht explizit ein fotorealistisches Bild mit KI erstellst, ist KI mittlerweile trotzdem häufig involviert. Schon während der Aufnahme optimieren oft Algorithmen in der Software die Bilder. In der Retusche kommt KI zum Einsatz, um eine Aufnahme zu entrauschen, um einzelne Bildbereiche wie den Himmel oder Augen gezielt zu optimieren, und und und.
Mittlerweile ist es oft kaum noch möglich zu erkennen, ob ein Foto echt ist oder künstlich generiert wurde.

Verschneite Landschaft

Für mich gibt es hier jedoch einen entscheidenden Unterschied:

Was ich fotografiere, hat wirklich stattgefunden.

Diesen Moment hat es gegeben. Er war real.
Das finde ich unwahrscheinlich wichtig.

Mag sein, dass du diesen Moment anders wahrgenommen hast als ich, vielleicht sähe dein Foto deswegen anders aus als meines. Aber wir hätten beide etwas empfunden, etwas gedacht, etwas gesehen beim Aufnehmen und beim Bearbeiten.
Das gibt diesen Fotos in meinen Augen einen ganz anderen Stellenwert als einem KI-generierten Motiv. So „perfekt“ und nett anzuschauen das vielleicht auch sein mag – es ist irgendwie halt auch hohl.

🫶 Für mehr Wirklichkeit und weniger KI-Slop. 🫶

Für das Projekt 52 habe ich diesmal kein einzelnes, bestimmtes Foto.
Das Thema Fotografie und was ich damit verbinde steckt für mich in all diesen Bildern – in der Tatsache, dass ich nur für die Fotos draußen unterwegs war, im Schnee und seiner Vergänglichkeit, in den einzelnen Aufnahmen und wie ich sie bearbeitet habe.

Verschneite Landschaft

Die Beiträge der anderen Teilnehmer findest du bei Sari in der Linkparty. 😊

2 Gedanken zu „[Projekt 52] Fotografie“

  1. Ich spiele gerne ein wenig mit Schärfe und Schatten, nehme diese gerne mal raus oder verstärke sie, damit man die Fotos so sieht, wie ich den Moment wahrgenommen habe. Ich verstehe also gut, was du meinst mit den Emotionen.
    Und ich finde deinen Winterspaziergang ganz wundervoll <3

  2. „Diesen Moment hat es gegeben. Er war real. Das finde ich unwahrscheinlich wichtig.“ Ja, genau das! Wunderschöne Fotos. Ich liebe Schnee, da wird alles immer so ruhig.

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