Juchuh, ein Plotter!

Dankeschön fürs Weitersagen! :)

Juchuh, ein Plotter!

Über ein Jahr bin ich drumherum geschlichen. Wollte ihn unbedingt haben. Habe mir überlegt, was für Projekte ich alles damit umsetzen könnte. Hübsche, nützliche, ausgefallene… aber neeeee, hab ich mir gesagt. Nicht noch mehr Bastelkrams! Der Gedanke ließ mich jedoch nicht los und nach meiner Umräumaktion neulich habe ich dann kurzerhand beschlossen, er darf einziehen!

Wer? Ein Plotter. 😎

Was in aller Welt ist ein Plotter?

Grob gesagt, ist ein Plotter so ähnlich wie ein Drucker, nur dass er nichts ausdruckt, sondern ausschneidet oder mit einem speziellen Stift zeichnet. Das geht sogar nicht nur mit Papier und Karton, sondern auch mit Vinylfolie, Stoff, Moosgummi, Leder oder was auch immer.

Karton plotten

Du erstellst dein gewünschtes Motiv als Vektorgrafik am Rechner und der Plotter überträgt es dann auf das Material. Ursprünglich waren Plotter zum technischen Zeichnen gedacht. Was man heute in der Kreativszene antrifft, sind zumeist Schneideplotter, die aber teilweise eben auch zeichnen oder prägen können.

Wofür braucht man so ein Ding?

Brauchen ist natürlich relativ. *hüstel*

Als normalsterblicher Mensch, der nicht gerade beruflich mit Autobeschriftung oder derlei zu tun hat, braucht man einen Plotter ungefähr genauso dringend wie Aquarellmalstifte oder Zimtschnecken: eigentlich gar nicht, aber ist halt toll. 😅

Beim Basteln und Gestalten eröffnet einem ein Plotter jede Menge neue Möglichkeiten. Man kann Schriftzüge und Designs easy-peasy aus allem Möglichen ausschneiden und dann beispielsweise auf Tassen, Kisten oder Kleidung aufbringen, man kann damit Geschenkboxen fabrizieren, Sticker, Wandtattoos, Beschriftungen oder ganze Blumensträuße aus Karton. All das, ohne drölfzig Blasen an den Fingern oder einen mittleren Nervenzusammenbruch zu bekommen vom fuppeligen Ausschneiden per Hand. Beim Kartenbasteln kann ein Plotter die diversen Stanzen ersetzen, die man sonst für teures Geld kaufen muss (du siehst: die Anschaffung ist finanziell total gerechtfertigt! 😎).

Allem voran bist du super flexibel, weil du ja wirklich so ziemlich alles beplotten kannst. Das Ergebnis wird dabei viel präziser, als es von Hand möglich wäre.

Für Kreativlinge also ein geniales Spielzeug. 🤩

Was für einen Plotter habe ich mir zugelegt und warum den?

Drei Namen begegnen einem beim Plottersuchen immer wieder: Silhouette, Cricut und Brother.

Der Cricut Maker 4 (ab ~370 €) ist das Kraftpaket schlechthin – über 300 Materialien, 13 verschiedene Werkzeuge, sogar Stoff und dickes Leder. Aber er ist der teuerste der drei und das Zubehör wie die verschiedenen Spezialklingen kostet extra.

Der Brother ScanNCut (ab ~299 €) hat ein echtes Alleinstellungsmerkmal: einen eingebauten Scanner und funktioniert komplett ohne Rechner. Dafür liegt die Schneidekraft mit 1.260 g und einer maximalen Materialdicke von 1,5 mm deutlich unter den anderen – für dickere Materialien ist er schlicht nicht gebaut.

Der Silhouette Cameo 5α (ab ~289 €) schneidet Materialien bis 3 mm Dicke bei 5.000 g Schneidekraft. Vinyl, Papier, Filz, Leder, Moosgummi, sogar Balsaholz. Das war für mich der entscheidende Punkt: ich wollte einen echten Allrounder, der möglichst viele Materialien schafft, ohne die 300-Euro-Grenze zu sprengen.

Ich habe mich daher für den Silhouette Cameo 5 alpha in weiß entschieden:

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Beim Plotter sind eine Schneideklinge dabei, eine Stifthalterung sowie eine Schneidematte, auf die man die Materialien auflegt. Die ist etwas größer als die typischen 12 x 12 Inch, die man auch als Format von US-amerikanischem Cardstock kennt (bspw. von Stampin‘ Up!).

Ungefähr einen halben Meter Breite beansprucht der Plotter übrigens für sich. 😀

Mein Plotter – Silhouette Cameo 5 alpha

Was braucht man an Zubehör fürs Plotten?

Zusammen mit dem Plotter habe ich mir etwas Basisausstattung bestellt.

Erstmal ein Set mit Werkzeug, das man braucht, um die fisseligen Details sauber voneinander zu lösen, beispielsweise bei Buchstaben wie dem „B“ diese Innenräume (das nennt sich Entgittern).
Übrigens hätte es mir so manchen Fluch erspart, wenn ich schon vor meiner Plotterkarriere von der Existenz dieser Tools gewusst hätte, die sind nämlich auch beim Arbeiten mit Stanzen von der Big Shot echt verdammt hilfreich.

Basiswerkzeuge fürs Plotten
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Karton in allen möglichen Stärken und Farben, mit Muster und ohne, habe ich ja durch das Kartenbasteln ohnehin mehr als genug. Da ich aber auch mit selbstklebenden Vinylfolien arbeiten möchte, habe ich mir ein buntes Folienset bestellt sowie eine Rolle Transferfolie. Die braucht man, um die aus dem Vinyl geplotteten Layouts auf die gewünschte Oberfläche zu übertragen.

Ja, die Vinylfolien sind von der „Konkurrenz“, also einem anderen Plotterhersteller. Sie lassen sich aber natürlich genauso gut mit Maschinen von Silhouette verwenden und haben eine wirklich gute Qualität.

HTVRONT Transferfolie für Vinyl, mittlere Haftung – 12 Zoll x 16 Fuß (30,5 x 488 cm)
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Um Stoffe zu verzieren, braucht es Flexfolie sowie ein Bügeleisen, oder, professioneller, eine Transferpresse. Das hebe ich mir aber für später auf, ich fange jetzt erstmal mit den anderen Materialien an.

Vektorgrafiken – ich überwinde ein Trauma 😅

Mit dem Stichwort „Vektorgrafik“ konnte man bei mir lange Zeit einen völlig entnervten Schreikrampf auslösen. Nach dem Abi habe ich ja, bevor ich zum Studieren an die Uni gegangen bin, eine Ausbildung gemacht zur Mediengestalterin Digital und Print mit Schwerpunkt Print. Da spielten Vektorgrafiken natürlich auch eine Rolle.

In einer Prüfung musste ich ein Verpackungsdesign nachbauen als Vektorgrafik: diese stilisierte Salbeipflanze von den Dallmann’s-Bonbontüten. Muss ich mehr dazu sagen, als dass das der Punkt war, an dem ich beschlossen habe, lieber zu studieren? 🫠

Also. Vektorgrafiken will der Plotter jetzt haben. Soll er kriegen! Ich bin wild entschlossen, dieses Trauma aufzuarbeiten und als siegreiche, unverpixelte Heldin aus diesem Kampf hervorzugehen. 🤣

Silhouette Studio: die Software für den Plotter

Um Aufträge an den Cameo 5 zu senden, braucht es eine spezielle Software, das Silhouette Studio. In der Grundversion ist die kostenlos, hat da aber ein großes Manko: man kann keine SVG-Dateien öffnen. Das ist natürlich Murks, weil man ja mit genau denen arbeitet beim Plotten und auch viele Designs, die man kostenlos herunterladen oder kaufen kann, halt als SVG vorliegen. Daher habe ich in den sauren Apfel gebissen und mir das Upgrade auf die Designer-Version für knapp 40 US-Dollar gegönnt.

Ziemlich enttäuschend finde ich, dass die Software nicht für Retina-Displays ausgelegt ist. Auf meinem iMac sieht die Benutzeroberfläche nicht ganz so fancy aus, die Schrift ist leicht pixelig und nicht gestochen scharf. Man gewöhnt sich zwar dran, 2026 erwarte ich aber eigentlich mehr.

Ansonsten ist die Benutzeroberfläche aber relativ leicht verständlich. Die Arbeitsfläche ist so groß wie der Arbeitsbereich der Schneidematte, also 12 x 12 Inch. Man kann Schriftzüge platzieren und fertige Designs, die man entweder selber hochlädt oder aus dem Silhouette Design Store. Über die kann man Projekte kaufen, beim Ugrade auf die Designer-Version hatte ich ein Guthaben von 25 USD, das ich direkt mal investiert habe. Eigentlich will ich aber hauptsächlich eigene Motive erstellen. 🙂

Silhouette Studio

Die ersten Plotterversuche mit Karton

Das Einrichten des Plotters war ziemlich simpel – Transportsicherungen entfernen, Messer einsetzen, fertig. Die Verbindung zum Rechner wird über Bluetooth hergestellt, das funktioniert reibungslos.

Erstmal habe ich ein paar Schriftzüge aus Cardstock geplottet. Das geht im Grunde super simpel. Das hier war mein erster Versuch:

Schriftzug plotten

Zuerst habe ich den gelben Schriftzug geplottet, dann in Silhouette Studio einfach ein Offset erstellt (also quasi das, was in Photoshop „Auswahl vergrößern“ ist) für den pinken Schriftzug. Durch die kleinen „Ausbuchtungen“ wurde mir klar, dass ich die überlappenden Buchstaben vorher alle in einem gemeinsamen Pfad zusammenführen muss, damit daraus ein durchgehender Schriftzug wird.

Schriftzug plotten

Bei Versuch No. 2 klappte das richtig gut, hier habe ich eine Geschenkkiste für eine Freundin gestaltet.

Mädelsabend-Geschenkkiste plotten

Die Schmetterlinge sind übrigens klassisch ausgestanzt mit meiner Big Shot, einfach weil ich die Stanzen ja habe und das flott von Hand geht.

Mädelsabend-Geschenkkiste plotten

Der Schriftzug auf der Karte ist geplottet und das ging soooo viel schneller und nervenschonender, als wenn ich dafür die einzelnen Buchstaben-Stanzen hätte platzieren müssen!

Geburtstagskarte plotten

Ich habe dann ein bisschen herumexperimentiert mit verschiedenen Kartonstärken und Einstellungen. Man kann die Schneidegeschwindigkeit variieren (je langsamer, desto sauberer), den Anpressdruck sowie die Schneidetiefe. Die Software bietet zwar Voreinstellungen für verschiedene Materialien, aber ich will ja immer wissen, wieso etwas so oder so gemacht werden soll und was passiert, wenn man die Parameter verändert.

Die mitgelieferte Schneidematte war anfangs übrigens mega klebrig. Dass sie sticky ist, soll ja auch so sein, damit das Material nicht verrutscht und man exakt schneidet. Aber empfindlicheres Papier ließ sich nicht gut abziehen, das ist mir beim Entgittern tatsächlich gerissen. Ein paar Mal mit dem Pulliärmel abtupfen hat die Klebrigkeit auf ein vernünftiges Level reduziert. 😀

Geburtstagskarte plotten

Vinylfolie plotten

Schließlich habe ich mich an die Vinylfolie getraut. Eine einfache Aufschrift für einen Blumenpott sollte es erstmal werden, alldieweil bei uns Grünlilien-Ableger eingezogen sind und Kinder brauchen ja schließlich einen Namen, gelle?

Blumentopf mit Vinylfolie beplotten

(Viel Spaß mit dem Ohrwurm. 😛)

Das ging super easy!

Bei Vinylfolie arbeitest du mit der Trägerfolie: du plottest erstmal dein Motiv ganz normal auf der Vinylfolie und entgittert es, die Vinylfolie besteht nämlich aus zwei Schichten, geschnitten wird nur in der oberen Schicht. Wie bei einem Aufkleber verbleibt das „freigestellte“ Motiv dadurch auf der Trägerschicht.

Geplotteten Schriftzug entgittern

Darauf legst du dann die Trägerfolie und kannst das Motiv damit auf den gewünschten Untergrund kleben.

Motiv aus Vinylfolie mit Trägerfolie aufbringen

Tadaa:

Briefkasten beplotten

Zu Ostern habe ich zwei Mitbringsel gebastelt. Die Blumenvorlage stammt aus dem Silhouette Design Store, die Schmetterlinge habe ich daraus vergrößert und ein paar Mal einzeln geplottet.

Das Entgittern der fisseligen kleinen Blümchen war ein wenig… herausfordernd. 😂 Aber das Ergebnis mag ich sehr!

Generell macht mir das Plotten megaviel Spaß und ich freue mich darauf, was künftig so alles auf meinem Basteltisch entstehen wird. 💛

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Ich bin Anne Schwarz – Multipassionate, waschechtes Dorfkind und Bloggerin aus Leidenschaft. Hier schreibe ich über alles, was den Alltag verzaubert & verwandelt in einen Lieblingsalltag.

Vernetzung

Was denkst du?

2 Kommentare zu “Juchuh, ein Plotter!”

  1. Ich denke: WOW! Hatte vorher noch nie von solchen Plottern gehört. Deine Sachen sehen sehr professionell aus.
    Viel Spaß im Plotter-Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

  2. Und ich hab mich schon gefragt, warum du noch keinen besitzt. 😃 Willkommen bei den Plotter-Besitzenden. Ich hab einen Cricut. Die Software hat aber auch ihre Macken und einige Funktionen sowie ein Großteil der Projekte, Grafiken etc. ist nur mit einem Abo möglich. Deshalb versuche ich, mit Inkscape oder Affinity Designer und Procreate selber was zu basteln oder lade mir auf freepik lizenzfreie, kostenlose svg-Dateien runter.
    Aber immerhin ist der Design Space von Cricut auch für Retina-Displays geeignet. 😅

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