Eine malerische kleine Kirche, die hoch oben auf den Klippen der rauhen Seeluft trotzt… ich nehme dich mit in die Normandie nach Varengeville-sur-Mer:
Jetzt ist es beinahe ein Jahr her, dass ich in Frankreich war, und weil sich die Ereignisse dann ja ein wenig überschlagen haben, schlummern immer noch ganz viele Fotos von traumhaften Orten unberührt auf meiner Festplatte. 🙈
Heute habe ich mal den Ordner von Varengeville-sur-Mer hervorgekramt; ein kleines, romantisches Küstendorf, das etwas außerhalb etwas Besonderes zu bieten hat: die urige Kirche St. Valéry aus dem 12. Jahrhundert mit dem Friedhof Cimetière marin, unmittelbar an der Steilküste gelegen.
Tatsächlich ist die Küste hier durch Erosion stark abbruchgefährdet, es gibt Überlegungen, sie zu versetzen… irgendwann wird die Kirche mitsamt Friedhof hier also nicht mehr so existieren.
Ich finde, so ein Wissen um die Vergänglichkeit eines Orts verändert die Art und Weise, wie man ihn wahrnimmt.

Der Anblick der kleinen Kirche hoch über den Klippen inspirierte unter anderem Claude Monet dazu, die Szenerie zu malen (hier bei Wikipedia kannst du dir das Bild anschauen).

Viele Künstler zog es schon in diese malerische Ecke der Normandie, und etliche wurden hier auf dem Friedhof beigesetzt. Am berühmtetesten ist das Grab von George Braque, der zusammen mit Pablo Picasso als Mitbegründer des Kubismus gilt und eine Zeitlang in der Nähe von Varengeville lebte.

1954 schuf Braque ein leuchtend blaues Glasfenster für die Kirche, das wir uns natürlich auch ansehen.

Zunächst umrunden wir die Kirche aber einmal von außen.


Viele der Grabmale sind von der Seeluft stark verwittert, nicht alles können wir entziffern.

Das große Grabmal des Komponisten Albert Roussel trägt eine wunderschöne Inschrift, ein Zitat von Roussel selbst:
« C’est en face de la mer que nous finirons nos existences et que nous irons dormir pour entendre encore au loin son éternel murmure … »
Albert Roussel
„Im Angesicht des Meeres werden wir unser Dasein beenden und wir werden dort schlafen, um von ferne sein ewiges Murmeln zu hören…“

Hinter dem Gebäude bietet sich ein beeindruckender Blick auf das Meer. Wir beobachten die aufziehenden Wolken und wie das Spiel von Licht und Schatten immer neue Blautöne aus dem Wasser zaubert.


Schließlich betreten wir das Innere der Kirche. Das ursprüngliche Gebäude aus dem 12. Jahrhundert wurde im 16. Jahrhundert erweitert; es ist drinnen deutlich heller als erwartet. Die Sandsteinwände kontrastieren mit den rustikalen Dachbalken und den modernen Bildern an den Wänden und Fenstern.


Die drei großen Ölgemälde stammen von Michel Ciry (1919-2018).

Farblich greifen sie die Blautöne auf, die sich auch in den Buntglasfenstern finden.

Das berühmteste Fenster ist das von Georges Braque:

Wenn du in diesem Teil der Normandie unterwegs bist, solltest du dir einen Abstecher nach Varengeville-sur-Mer mit seiner Kirche definitiv nicht entgehen lassen!
Quellen: Mairie de Varengeville-sur-Mer officiel, nach Frankreich, Wikipedia
2 Kommentare zu “Normannische Kirche & Friedhof an der Steilküste von Varengeville-sur-Mer”
Die Baukunst von damals beeindruckt mich immer wieder. Mit wieviel Geschick damals auch unbehauene Stämme eingesetzt wurden- ohne das alles krumm und schief ist. Ich war vor 10 Jahren in der ungarischen Stadt Heviz und habe (https://chaosclub.org/?p=2109) unter anderem Bilder von der Kirche aus der Arpadenzeit gemacht. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Als ich in ihr war, konnte ich die Vergangenheit irgendwie fühlen.
Ich mag diese einfache Architektur, die schlichte Schönheit, diese Rundbögen. Als Jugendlicher habe ich Balzac gelesen… Aber da ich kein Wort französisch spreche werde ich dort nicht hinfahren, obwohl es mich reizt.
Das stimmt… und so viel Wissen, wie man solche Gebäude auch ohne die heutige Technik bauen kann, ist leider über die Jahrhunderte verloren gegangen.