Irgendwann ist das Basteln bei mir eingeschlafen. Nicht bewusst… es passierte einfach so. Dabei fehlte mir das Arbeiten mit Farben und Papier, das Gestalten so sehr! Wie es dazu kam, was das mit dem Keller zu tun hat – und warum ich meine Kreativecke jetzt umgeräumt habe:
Es ist super praktisch, für’s Werkeln und Basteln einen eigenen Tisch zu haben. Der bietet genug Platz zum Arbeiten und angefangene Projekte können dort in Ruhe trocknen und müssen nicht gleich wieder weggeräumt werden. Im Laufe der Zeit hat sich bei mir zudem so einiges an Materialien angesammelt, sodass sich auch ein eigenes Bastelregal gefüllt hat.
Wie sah mein Kreativbereich bisher aus?
Unser Gästezimmer im Erdgeschoss sollte von Anfang an auch meine Bastelecke beherbergen. So oft hatten wir schließlich keinen Übernachtungsbesuch und so wäre der Raum aktiv genutzt. Richtig viel Platz hatte ich da aber erstmal nicht und schleppte den Kram dann nolens volens doch immer zum Wohnzimmertisch.
Vielleicht erinnerst du dich noch, dass ich deswegen im Dezember 2021 das Projekt Werkelzimmer-Makeover gestartet habe: ich räumte das Gästezimmer / Werkelzimmer um, gönnte mir eine zusätzliche Arbeitsfläche und andere Regale. Das kreative Arbeiten machte ab da dann endlich wieder richtig Spaß!
So weit, so gut.

Dann kam ja aber alles anders als gedacht. Mein Mann und ich trennten uns. Er zog im Frühling 2023 aus. Meine beste Freundin mitsamt Familie zog im Sommer ein, wir gründeten unsere leicht verrückte Patchworkfamilien-WG. Und das Gäste-/Werkelzimmer wurde zum Zimmer ihrer Tochter.
Unkreativ im Keller
Den Eckschreibtisch überließ ich ihr, die Arbeitsplatte auf den beiden Schubladenregalen sowie das Kallax-Regal wanderten in den Keller.
Hier richtete ich mir eine neue Bastelecke ein… ganz hinten im großen Kellerraum, hinter dem Raumtrenner und Regalen, gegenüber der Werkbank. Um hinzukommen, musste ich jedesmal über’s Laufband klettern.
Tageslicht Fehlanzeige, das Fenster war ein Stück entfernt und halt eh nur so ein Lichtschacht. An der Decke hängen daher diverse Neonröhren.
In die Wände mit ihrer echt eigenwilligen Farbe (mich erinnert sie an unser altes Schulklo…) lässt sich kein Nagel kloppen, bei Schrauben brechen sie aus und Posterstrips / Klebeband halten auch nur von zwölf bis Mittag. Die Stangen mit den Stiftehaltern stürzten deswegen regelmäßig ab.
Alles in allem also echt nicht so richtig einladend…

Was passierte? Ich hörte auf zu basteln und zu malen. 😶
Ab und an setzte ich mich nochmal hin, wenn ich eine Geburtstagskarte brauchte… aber die Leichtigkeit und Freude waren irgendwie weg. Die ganzen Kreativdinge waren im Alltag aus den Augen, aus dem Sinn.
Ohne zu „müssen“ war ich null motiviert, mich bei Neonlicht in den eher kühlen Keller zu hocken. Ich experimentierte nicht mehr herum, ich arbeitete einfach mein Karten-To Do ab und ging wieder hoch.
Möp.
Woran hat et jelegen?
Eine ganze Weile lang war mir gar nicht klar, wieso das so war.
Ich machte mir Druck, früher hatte ich doch schließlich immer viel mehr gezeichnet und gebastelt, und jetzt stand der ganze teure Krempel nur herum. An zu wenig Zeit konnte es nicht liegen, schließlich daddele ich ja auch immer wieder auf dem Handy rum und könnte das Doomscrolling eigentlich locker durch ein bisschen Gekleckse ersetzen.
Es dauerte eine Weile, bis es *klick* machte.
Im Frankreichurlaub letzten Sommer hatte ich ja wieder mit dem Handlettering begonnen. Morgens nach dem Frühstück, auf dem Balkontisch. Mit Blick aus dem Fenster, Wärme und… Tageslicht.

Wie ich so darüber nachdachte, fiel es mir auf: früher habe ich auch fast immer tagsüber gebastelt, irgendwie so gut wie nie abends bei Lampenschein. Scheinbar brauche ich Tageslicht zum Kreativsein. 😀
Das ist übrigens witzig und ganz spannend, weil in Studien herauskam, dass eigentlich Dunkelheit und gedämmtes Licht die Kreativität fördern. Anscheinend ticke ich da anders. 🤷♀️
Trotz dieser Erkenntnis stand das Thema Kreativbereich in den letzten Monaten erstmal nicht allzu weit oben auf meiner Prioritätenliste. Auch die guten Vorsätze in puncto Handletteringüben waren verschoben auf das berühmte Irgendwann.
Jetzt wollte ich das aber endlich in Angriff nehmen. Denn die Arbeit mit Farben, die Haptik des Papiers, das Gestalten fehlt mir schon verdammt! Ich brauche das einfach für meinen Lieblings-Alltag. 💛
Mein Plan war, die Schreibtischplatte mitsamt der beiden Schubladenregale, auf denen sie ruht, mit in mein Arbeitszimmer im Obergeschoss zu holen.
Die nicht ganz so hilfreiche KI
Neulich war ich auf einem KI-Workshop unserer Businessfrauengruppe und eine Teilnehmerin erzählte davon, wie sie mit Hilfe von ChatGPT ihr Wohnzimmer umgestaltet hat und sich Bilder generieren ließ, wie dieses oder jenes Möbelstück dort aussehen würde. Ist ja schon praktisch, das mal zu sehen, ehe man die ganze Schlepperei startet!
Ich war mir nämlich nicht ganz sicher, ob der zusätzliche Tisch optisch gut in mein Arbeitszimmer passen würde oder ob der Raum dadurch vollgestopft aussehen würde.
Da Claude leider (noch) keine fotorealistischen Bilder generieren kann, habe ich ChatGPT damit beauftragt. Ein paar Fotos meines Arbeitszimmers aus unterschiedlichen Perspektiven, ein Foto der Bastelecke im Keller und ein Grundriss mit Maßen, in den ich die Möbel mit Photoshop eingezeichnet hatte. Dazu der Prompt, den Schreibtisch aus dem Keller bitte an Stelle x im Arbeitszimmer zu stellen und mir ein Bild zu generieren, wie das denn aussähe.
Tjaaaaaa.
- 🤖 Chatty: Okay, ich schmeiße deinen eigentlichen Schreibtisch raus und stelle eine entfernt ähnliche Variante des Basteltischs an dessen Stelle.
- 👩🦰 Ich: Nee, mein Lieber. Der Schreibtisch bleibt da stehen wo er ist, der Basteltisch soll daneben an die im Plan eingezeichnete Stelle.
- 🤖 Alles klar! Ich generiere das exakt gleiche Bild einfach nochmal, aber hast du mal darüber nachgedacht, hinter dem Fenster eine Dachschräge einzubauen? Guck mal, wie fancy!
- 👩🦰 Nein. Keine Dachschräge. Nimm einfach [dieses] Foto und stell den Basteltisch an die im Grundriss eingezeichnete und mit „Basteltisch“ beschriftete Position.
- 🤖 Haha, entschuldige! Okay. Hier ist das gleiche Foto nochmal. Die Dachschräge lassen wir aber drin, das ist jetzt einfach so. Aber guck mal, ich habe dir ein Bild an die Wand gehängt von einem Ritter aus einer anderen Dimension! 🙂
- 👩🦰 … 🤦♀️

Im Nachgang stellte sich heraus, dass ChatGPT zwar ausdrücklich um Fotos aus verschiedenen Winkeln gebeten hatte, damit aber überfordert ist. Weniger ist da wohl mehr.
Ich habe es dann drangegeben und den Krempel einfach direkt im Leben 1.0 umgeräumt.
The making of a kreatives Arbeitszimmer
Kinners, ich habe schon viel zu lange nichts mehr umgeräumt! Mir macht das nämlich einen Heidenspaß. 😀 Alles ausräumen, gründlich saubermachen, sortieren, neu planen, ordentlich einräumen… ich mag das!
Auch wenn ich bei der letzten größeren Umräumaktion vor drei Jahren definitiv noch fitter war, mein Körper hat zwischenzeitlich ziemlich gemosert und gestreikt. Aber egal, das war es wert!
So sah es vorher aus:

Falls du dich wunderst: meinen Rollstuhl nutze ich seit einiger Zeit auch, um am Schreibtisch zu sitzen. Er ist an meinen Körper angepasst und es bringt mir mehr, diese doch etlichen Stunden am Tag darin wirklich gut zu sitzen und ihn bei Bedarf dann halt nach unten zu transportieren / transportiert zu bekommen, als mit einem anderen Schreibtischstuhl zu kämpfen. Ich hab so viele Varianten durch und mein Rücken ist echt eine Mimose. 😀
Das Ergometer ist in mein Schlafzimmer umgezogen, wo es jetzt auch bleibt. Beim Strampeln Serien gucken kann ich da auch, wenn ich mir den Laptop auf die Kommode stelle.
In diese Ecke sollte der Basteltisch:

Von den Maßen her würde es passen, das hatte ich natürlich vorher ausgemessen.
Erstmal habe ich die beiden Kallax-Regale unter der Dachschräge leergeräumt.

Ein Teil von deren Inhalt ist in den Keller gewandert, ich war also mit Büchern in der Hand treppab sowie mit Bastelmaterialien treppauf unterwegs… eeeetliche Male. Treppenziel erreicht! 😅

Bonnie musste natürlich alles ganz genau im Auge behalten, hatte aber sichtlich ein paar Fragezeichen über dem Kopf. Menschen machen komische Sachen!

Die Kallax-Regale sind ein Stück gewandert, um die Ecke freizumachen. Dort ist dann nämlich genug Platz für den Basteltisch. Die Schubladen habe ich einzeln hochgetragen, ohne sie vorher leerzuräumen.

Als alle Möbel an ihrer richtigen Stelle standen, konnte das große Einräumen losgehen…

Voilà:



Der Basteltisch passt tatsächlich richtig gut in die Ecke, ohne dass es zu gedrängt ausschaut. Er macht den Raum optisch sogar breiter, sodass er nicht mehr so schlauchartig wirkt.

Mir gefällt also nicht nur die Kreativecke, sondern das ganze Arbeitszimmer viel, viel besser als vorher! 🥰




Und auch Bonnies Welt ist wieder in Ordnung:

Ich genieße es, jetzt einfach wieder kreativ werden zu können… und wenn es nur ein Herumkritzeln zwischendurch ist. 💛

5 Kommentare zu “Meine Kreativecke zieht um – raus aus dem Keller, rein ins Tageslicht”
Den Hemnes Schreibtisch habe ich auch 🙂
Und die Kallax Regale sind wirklich perfekt für Dachschrägen, die stehen beim Sohn auch so. Ich hab noch LED Leisten reingeklebt, damit seine Sachen beleuchtet werden, die da drin stehen. Aber das braucht man bei Ordnern ja nicht.
Ja, die KI hat immer dann doch noch eigene kreative Ideen, die so gar nicht in das eigentliche Konzept passen. Sieht zwar nett aus, hilft aber nicht weiter und die Gespräche kommen mir auch bekannt vor. Mit ganz viel Entschuldigung und wie wäre es jetzt so und ich selber dann ganz viel, neeeee das hast du falsch verstanden und das stimmt so nicht usw… und dann mittendrin auf einmal drei Schritte zurück…aaaaargh
Thihi, ein Hoch auf den Möbelschweden. 😀
Das mit den LEDs sieht bestimmt schick aus!
Ich bin jetzt seit einiger Zeit wieder zurück zu Claude gewechselt und das funkioniert mittlerweile um Längen besser als ChatGPT. Macht, was es soll, faselt nicht so viel drumherum und ist wirklich hilfreich.
Kreativität aus dem Keller? NEE, DAS GEHT NICHT. Um Kreativ zu sein muss man sich gut fühlen und Inspirationen haben- dafür braucht man Weite, Tageslicht, Kommunikation. Und sei es der Hund, der mal nerven kommt… Man trinkt dann einen Kaffee, lässt sich dabei einiges nochmal durch den Kopf gehen und Peng! Vorwärts geht’s! Oder man merkt: genug für heute…
Bei mir ist es ja mehr so eine technische Kreativität, aber ich kann da sehr gut mit Dir fühlen. Da hab ich ein altes Uhrwerk vor mir, total verschmutzt, erbärmlicher Zustand… Reinigen, Fehler finden, defekte Teile nachbauen… Wenn das Herz wieder schlägt: das Gehäuse herrichten. Manchmal Teile nachbauen, beizen wachsen, versuchen, das es so alt aussieht wie der Rest…
Das macht mir Spaß, aber ich könnte es nicht im Keller und unser „Hondolinchen“ muss auch da sein.
Das kann ich total nachvollziehen… wobei ich Puzzlen im Keller eigentlich ganz angenehm finde, weil ich da dann komplett meine Ruhe habe, irgendeinen Podcast anmache und gut ist. Aber das hat dann mehr was mit meditativem Ordnungschaffen im Oberstübchen zu tun als mit Kreativität.
Super, dass du diesen Schritt gegangen bist. Vielleicht bekommen wir dann ja bald ein paar kreative Sachen zu sehen? Sieht auch wirklich gut aus so 😄