Ich weiß nicht mehr genau, wann es uns das erste Mal aufgefallen ist. Wahrscheinlich war es das Backofenrost.
Nicht, dass ein Backofenrost ein besonders bemerkenswerter Gegenstand wäre – man schiebt es in den Ofen, man befördert es mitsamt heißem Essen wieder heraus, man lässt es abkühlen, räumt es in den Schrank und denkt nicht mehr daran bis zum nächsten Mal, wenn es Auflauf geben soll. So lange, bis man das Rost eines Tages aus dem Schrank holen will und feststellt: es ist nicht mehr da. Nirgends.
Nicht in dem Regalfach, in dem wir die Backbleche aufbewahren. Nicht in dieser flachen Schublade unter dem Herd, die eigentlich explizit für die Aufbewahrung des Rosts gedacht ist, aber zu klein ist für zwei Backbleche und ein Rost. Und auch nirgendwo anders. Ein stattliches Backofenrost, was man ja nicht mal eben so zwischen zwei Briefumschlägen übersieht… einfach weg. 🧐
Das Backblech folgte irgendwann später. Zuerst stellten wir Mutmaßungen an, jemand könne darauf einen Nachtisch oder Ähnliches mit auf die Arbeit oder zu Freunden transportiert und es dort vergessen haben. Eingehende Verhöre, Zeugenbefragungen, das Konsultieren der Kalender sämtlicher WG-Mitbewohner der letzten Monate sowie natürlich erneutes gründliches Aufräumen unseres eigentlich eh schon sehr ordentlichen Haushalts blieben ergebnislos.
Dann war es der Eierkocher. Der stand immer, immer, immer an der gleichen Stelle im Schrank. Wir haben ihn nicht oft gebraucht, aber wenn, dann war er halt zuverlässig da. Bis auf neulich – plötzlich keine Spur mehr von dem Ding. Niemand konnte sich daran erinnern, dass er kaputt gewesen und deswegen womöglich entsorgt worden sei. So ein Eierkocher ist ja nun auch nicht unbedingt etwas, das man mit auf eine Party schleppt.
Alles futschikato. 🤷♀️
Wir haben eine Weile gebraucht, um die einzig logische Schlussfolgerung zu ziehen. Aber irgendwann stand sie unausweichlich im Raum, genau wie der Eierkocher früher im Schrank stand: Wir haben einen Hausgeist.
Sein Name ist Fridolin.
Wer jetzt an knarrende Dielen, feuchte Steinmauern und wildromantisch wucherndes Efeu an der Fassade denkt, liegt falsch. Wir wohnen nicht in einem verwunschenen alten Gemäuer mit Geschichte und Geheimgängen. Wir wohnen in einem Haus, das ich vor zehn Jahren selbst gebaut habe. Grundriss bekannt, Materialien bekannt, keine Vormieter, keine ungeklärten Vorfälle in der Vergangenheit. Es gibt hier nichts, was einen Geist logisch erklären würde.
Und trotzdem, da isser: Fridolin.
Gestatten, Fridolin.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein abergläubischer Mensch bin. Ich glaube nicht an Geister, nicht an übernatürliche Erscheinungen und schon gar nicht an die Art von Wesen, die in Horrorfilmen oder Supernatural durch Wände gehen und gruselige Dinge veranstalten. An was ich allerdings glaube, sind Fakten. Und die Fakten sind folgende: Ein Backofenrost, ein Backblech und ein Eierkocher sind spurlos aus unserem Haushalt verschwunden, ohne dass irgendjemand eine plausible Erklärung dafür hat.
Ich habe alle rationalen Möglichkeiten durchgespielt. Hat jemand sie weggeworfen? Nein, weil man ein Backofenrost nicht aus Versehen wegwirft. Hat jemand sie geliehen? Niemand leiht sich einen Eierkocher und gibt ihn nicht zurück. Außerdem wäre das so absurd, dass wir uns daran erinnert hätten.
Sind die Gegenstände einfach irgendwo, wo wir nicht nachgeschaut haben? Diese Theorie hält einer gewissen Anzahl von Schrankinventuren nicht stand und wie gesagt, es ist hier dank meines inneren Monks eh ziemlich ordentlich.
Also: Fridolin.
Ich habe unseren Hausgeist so getauft, weil dieser Name wunderbar zu einem Wesen passt, das unbeobachtet durch Küchenschränke geistert und dabei eine ganz klare Vorstellung davon zu haben scheint, was es will und was nicht. Fridolin klingt nach jemandem, der Prinzipien hat. Der nicht wahllos klaut, sondern selektiv. Der einen Geschmack entwickelt hat.
Und das ist das Interessante an Fridolin: er hat eindeutig einen Plan.
Ein kulinarisch interessiertes Kerlchen
Wenn man sich die bisherigen Entwendungen ansieht, zeichnet sich ja ein Muster ab: Backofenrost. Backblech. Eierkocher. Das sind keine zufälligen Gegenstände, das ist alles Küchenequipment. Fridolin interessiert sich nicht für Bücher, nicht für Socken, nicht für die Fernbedienung oder für Brillen – obwohl gerade entwendete Brillen eigentlich ein Klassiker in der einschlägigen Hausgeist-Literatur sind. Nein, unser Fridolin hat ein kulinarisches Interesse. Er möchte, so meine Theorie, backen und kochen. Oder sich zumindest die Option offenhalten.
Das Verschwinden des Eierkochers hat mich besonders beschäftigt. Ein Eierkocher ist kein glamouröses Gerät. Er kocht Eier. Das ist seine einzige Funktion, und er erfüllt sie mit einer gewissen stumpfsinnigen Verlässlichkeit. Warum würde ein Hausgeist einen Eierkocher stehlen?! Damit necken kann er uns nicht wirklich, dazu benutzen wir das Ding viel zu selten. Entweder mag Fridolin also auf den Punkt gekochte Eier besonders gerne, oder er hat vor, sich künftig gesünder zu ernähren.
Ich tippe auf Ersteres. Fridolin wirkt wie jemand, der 5-Minuten-und-keine Sekunde-länger-Eier mag. Außerdem scheint er es nicht so mit einer ausgewogenen Ernährung zu haben, da wäre nämlich noch die Sache mit der Schokolade…
Ungefähr einmal im Jahr überkommen mich Gelüste auf Kaffeeschokolade. Ich esse generell fast nie Schokolade, aber manchmal muss es halt sein. Also habe ich mir neulich eine Tafel davon gekauft und sie in den Kühlschrank gelegt; wenn ich schon mal Schokolade esse, dann muss sie nämlich kalt sein und knacken beim Abbeißen. Meine Mitbewohner bevorzugen andere Schokoladensorten und kaufen die regelmäßig in ausreichender Menge in der stillen Hoffnung, dass sie ein paar Wochen halten. Sie halten nie ein paar Wochen. Das wusste ich schon vorher – ich hatte es bisher nur anderen Faktoren zugeschrieben, die ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte.
Tja – nach dem Kauf vergaß ich meine Kaffeeschokolade erstmal für ein paar Tage. Und als ich dann zum Kühlschrank tigerte, war in der Packung… nur noch eine halbe Rippe übrig. 🤔
Ich lebe ja, das sei an dieser Stelle erwähnt, in einer Wohngemeinschaft mit meiner besten Freundin und ihrer Familie. Das ist normalerweise eine Information, die man im Zusammenhang mit verschwundener Schokolade nicht außer Acht lassen sollte. Wohngemeinschaften und Schokolade sind eine komplizierte Geschichte, und ich will niemandem etwas unterstellen. Aber alle Mitbewohner beteuerten glaubhaft ihre Unschuld und fügten hinzu, Kaffeeschokolade eh gar nicht zu mögen. Tja. Bleibt Fridolin als der Hauptverdächtige!
Süßes und Chips scheinen ihm generell zu liegen. Es gibt in unserem Haushalt eine merkwürdige Diskrepanz zwischen der Menge an Süßkram und Knabberzeug, die eingekauft wird, und der Menge, die dann tatsächlich noch vorhanden ist, wenn man nach ihr sucht. Wir haben lange um Erklärungen gerungen, WG-Krisengespräche geführt. Jetzt endlich kennen wir den Grund… 👻
Bonnie ist ein stilles Opfer
Es gibt einen weiteren Punkt, der Fridolins Charakterbild um eine Nuance erweitert, die ich nicht verschweigen möchte: er scheint auch vor weniger hochwertigem Essen nicht zurückzuschrecken.
Wir haben ja nun einen Hund. Bonnie ist ein aufrichtiges Tier mit einem tadellosen Charakter und einem sehr klaren Verhältnis zu Futter – sie mag es, sie will es, und sie teilt es nicht. Das ist keine Kritik, das ist einfach eine Beschreibung. Bonnie und ihr Napf sind eine Einheit.
Oder waren es zumindest, bis Fridolin anfing, sich dafür zu interessieren.
Der Ablauf ist immer gleich: wir holen Bonnies Napf abends in die Küche, schaufeln ihn randvoll mit ihrem Dosenfutter, stellen Bonnie den Napf ins Wohnzimmer und verlassen den Raum dann meistens, um selber in der Küche weiterzukochen. Sekunden später – es dauert nicht einmal eine Minute – steht Bonnie ganz traurig vor der Küchentür. Mit Augen, die sagen: Es ist ein Unrecht geschehen. 🥺 Der Napf ist leer. Sie habe nichts bekommen. Das könne sie nicht erklären, aber sie bitte doch dringend um Nachschub.
Der Napf ist tatsächlich leer. Blitzeblank, um genau zu sein.
Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich Bonnie nicht grundsätzlich für über jeden Verdacht erhaben halte. Sie ist halt ein Hund. Hunde und volle Näpfe haben eine bekannte Dynamik. Aber Bonnie ist eine ehrliche Haut und würde uns doch niemals nicht anschwindeln! Auch die Geschwindigkeit des Vorgangs – Sekunden, wirklich nur Sekunden – legt nahe, dass hier Kräfte am Werk waren, die über die Möglichkeiten eines einfachen Hundes weit hinausgehen.
Fridolin mag also nicht nur Schokolade und Popcorn. Fridolin vertilgt auch Hundefutter.
Das ist eine Entwicklung, die mich dann doch etwas überrascht hat. Man stellt sich so einen Hausgeist mit kulinarischen Ambitionen ja irgendwie wählerischer vor. Backblech, Eierkocher, Lieblingsschokolade – das klang nach jemandem mit Ansprüchen. Hundefutter klingt nach jemandem, der einfach Hunger hat und nicht lange fackelt.
Bonnie jedenfalls beteuert weiterhin ihre Unschuld. Ich glaube ihr. Meistens.
Der Versuch mit der Scheuermilch
Irgendwann kam mir der Gedanke, dass man Fridolins kulinarisches Interesse vielleicht als Teil eines größeren Musters verstehen muss. Wer Backofenroste, Backbleche und Eierkocher sammelt, der denkt in Kategorien. Küche. Haushalt. Vielleicht, so überlegte ich, ist Fridolin ja nicht nur ein Feinschmecker, sondern generell jemand mit einem Hang zum Hausmann-Dasein. Jemand, der nicht nur kochen, sondern auch wohnen will und sich gerne aktiv einbringt.
Das schien mir eine echte Chance zu sein!
Ich wollte Fridolin nicht einfach nur dulden. Ich wollte ihm zeigen, dass wir seine Anwesenheit wahrnehmen, dass wir sie würdigen, und dass wir, wenn er schon hier wohnt, auch gerne bereit wären, ihm eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Niemand soll sagen, wir seien schlechte Gastgeber.
Also habe ich angefangen, ihm Angebote zu machen.
Ich habe Scheuermilch und Lappen ins Bad gestellt, gut sichtbar, eine eindeutige Einladung. Ich habe den Raum verlassen, habe ihm Zeit gelassen, …. ich habe nichts erwartet, aber doch gehofft.
Tja. Nüscht. Das Bad sah am nächsten Morgen genauso aus wie zuvor. Der Lappen lag noch dort, trocken, die Scheuermilch war unberührt und das Waschbecken noch nicht geschrubbt.
So schnelll habe ich aber nicht aufgegeben! Vielleicht kann so ein Geist halt nicht mit Flüssigkeiten hantieren? Ich habe ihm also den Staubwedel ins Wohnzimmer gelegt. Prominent auf den Couchtisch, wo Fridolin ihn unmöglich übersehen konnte. Der Staubwedel ist schön leicht und handlich, ich habe sogar extra so ein neues Swifferdingstuch draufgesteckt, um zu sehen, ob Fridolin ihn wohl benutzt hätte. Wieder habe ich ihm Zeit gelassen. Wieder gehofft.
Und… wieder nichts. 😶
Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu akzeptieren. Aber irgendwann musste ich die Schlussfolgerung ziehen, die sich aus den Daten ergibt: Fridolin putzt nicht. Er hat, wenn man es nüchtern betrachtet, ein sehr selektives Verständnis vom Hausmann-Dasein – nämlich eines, das ausschließlich die angenehmen Teile umfasst. Er kocht. Er isst. Er verschleppt Dinge, die er für was auch immer braucht. Aber putzen? Nein.
So gesehen ist Fridolin ein ganz normaler Mitbewohner. 🫠
Die Sache mit dem Löffel
Das bislang direkteste Lebenszeichen, das Fridolin von sich gegeben hat, war vor einigen Wochen, als ich zwei Schüsseln für Popcorn aus dem Schrank genommen habe. Ich gehe ja immer sorgfältig mit den Dingen um, reiße die Schranktüren also nicht wer weiß wie vehement auf und auch Geschirr stelle ich vorsichtig ab und lasse es nicht einfach fallen.
Ich habe die Schüsseln also aus dem Schrank genommen, habe sie lautlos auf die Arbeitsfläche gestellt, und in dem Moment – in genau diesem Moment – hat es geklirrt. Ein Löffel, der ein Stück weiter rechts auf der Arbeitsfläche in einem leeren Teeglas stand, kam plötzlich in Bewegung und klirrte ein paar Augenblicke im Glas. 😳 Dann herrschte wieder Stille.
Zu dem Zeitpunkt liefen weder Spülmaschine, Waschmaschine oder Trockner oder sonst etwas, das für Erschütterungen im Haus hätte sorgen können. Ich habe die Schranktür erneut auf und zu gemacht, Schüsseln bewegt, auf dem Fußboden aufgestampft… aber ich konnte das Klirren nicht reproduzieren.
Ich habe kurz innegehalten. Dann habe ich den Löffel angeschaut. Das Teeglas. Die Schüsseln. Und ich habe verstanden: Fridolin wollte auch Popcorn haben!
Faszinierend! Er hätte sich einfach still verhalten können. Er hätte abwarten können, bis ich nicht hinschaue, und dann sein Ding machen können, was auch immer das sein mag. Stattdessen hat er sich bemerkbar gemacht. Mit einem Löffel in einem Teeglas. Das ist, wenn man so will, Kommunikation. Rudimentär, ja. Aber Kommunikation… irgendwann lernt er sicherlich auch Schreiben und dann werden auf unserem Einkaufszettel wahrscheinlich kuriose Wünsche auftauchen, die sich nicht mehr mit der verzweifelt bemühten Entzifferung unleserlicher Handschrift erklären lassen.
Der Falter
Am Wochenende kam es nun zu einem Vorfall, der mich ehrlich gesagt ein bisschen beschäftigt.
Während ich morgens meinen Kaffee kochte, saß ein kleiner Falter am Küchenschrank. Er störte mich nicht und saß da halt wie jemand, der auf den Bus wartet. Ich ließ ihn in Ruhe und dachte, er würde früher oder später von selbst durchs Fenster nach draußen finden.
Mittags kam ich wieder in die Küche.
Der Falter hing halb zerdrückt am Schrank. 🥺
Ich habe meine Mitbewohner befragt – ganz sachlich, ohne Vorwurf, mit der offenen Frage, ob das dort Kunst sei oder ob es weg könne. Alle haben Unwissenheit und Unschuld bekundet. Ich glaube ihnen.
Eine Katze haben wir nicht, die Nachbarskatze kommt nicht ins Haus. Der Hund darf nicht in die Küche und wäre an den Schrank ohnehin nicht herangekommen.
Das lässt nur einen Verdächtigen übrig.
Ich möchte nicht vorschnell urteilen. Vielleicht hat Fridolin den Falter nicht absichtlich zerdrückt. Vielleicht war es ein Missgeschick. Vielleicht wollte er ihn anfassen und hat die eigene Kraft unterschätzt – was bei einem Wesen, das in der Lage ist, Backbleche spurlos verschwinden zu lassen, durchaus vorstellbar ist. In dubio pro reo und so.
Aber ich behalte es im Hinterkopf…
Versuch einer Charakterstudie
Auf Basis der bisher gesammelten Erkenntnisse möchte ich an dieser Stelle eine vorläufige Charakterstudie wagen.
Fridolin ist, allem Anschein nach, ein Wesen mit klaren Vorlieben und wenig Bedarf an Erklärungen. Er nimmt, was er will, und er legt keine Rechenschaft darüber ab. Das klingt zunächst wenig einladend, ist aber bei näherer Betrachtung eigentlich erfrischend direkt. Fridolin lügt nicht, vertröstet nicht und sagt auch nichts Gemeines. Er sagt nicht, dass das Backblech sicher irgendwo ist, wir Blindfische hätten nur noch nicht richtig gesucht oder seien sonstwie schusselig. Er sagt gar nichts. Das Backblech ist einfach weg, Ende der Geschichte.
Er interessiert sich für Essen, was bedeutet, dass er grundlegende Bedürfnisse hat und diese nicht zu verstecken versucht. Schokolade, hart gekochte Eier, Popcorn und Hundefutter – das ist kein exquisiter Geschmack. Fridolin isst, was er mag, ohne sich dafür zu rechtfertigen.
Er kommuniziert indirekt, aber er kommuniziert. Der Löffel im Teeglas war definitiv kein Zufall.
Und er hat eine Vorliebe für Küchenutensilien, die darauf hindeutet, dass er selbst backen oder kochen möchte oder zumindest die theoretische Option schätzt. Vielleicht hat Fridolin zu Lebzeiten – oder wann auch immer sein Dasein begann – nie die Gelegenheit gehabt, mit Backblechen zu hantieren. Jetzt holt er es nach, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich wünsche ihm dabei aufrichtig Erfolg, würde aber um Rückgabe des Eierkochers bitten, wenn es irgendwie möglich ist.
Was tun, wenn man einen Hausgeist hat?
Diese Frage habe ich mir natürlich auch gestellt. Ich habe recherchiert – soweit man das Wort „recherchiert“ auf die Suche nach Ratschlägen im Umgang mit Hausgeistern anwenden kann – und festgestellt, dass die Vorschläge, die man dazu findet, in zwei Lager fallen.
Das erste Lager empfiehlt, den Hausgeist zu vertreiben. Salz streuen, mit Salbei räuchern, laut sprechen, klare Grenzen setzen. Das klingt aufwendig und offen gesagt auch ein bisschen unfreundlich. Fridolin hat bis jetzt niemandem etwas getan. Er hat Zeug verschlampt und Schokolade weggefuttert, aber wer Mitbewohner deswegen vor die Tür setzt, lebt ziemlich schnell alleine.
Das zweite Lager empfiehlt, mit dem Hausgeist zu koexistieren und ihn zu respektieren. Das klingt vernünftiger. Ein bisschen Gastfreundschaft schadet nie und vielleicht erweist Fridolin sich ja irgendwann doch mal als nützlich. Bonnie jedenfalls versucht es schon auf den Hausgeist zu schieben, wenn sie auf dem Sofa gepupst hat.
Wir haben uns daher entschieden, vorerst nichts zu unternehmen. Fridolin darf bleiben. Wir behalten ihn im Auge, er behält vermutlich die Schokolade im Auge, und wir kommen uns nicht groß in die Quere. Das ist eine Abmachung, die ich für tragfähig halte.
Wobei ich mir vorbehalte, diese Haltung zu überdenken, falls er als nächstes den ganzen Kühlschrank mitnehmen sollte…
Ein offenes Ende
Ich schreibe das hier auf, weil ich glaube, dass es wichtig ist, diese Dinge zu dokumentieren. Nicht aus Aberglauben, nicht aus Sensationslust, sondern weil Fridolin ein Phänomen ist, das wissenschaftliche Aufmerksamkeit verdient – oder zumindest die Aufmerksamkeit von jemandem, der einen Blog betreibt und eine Geschichte braucht. 🤓
Ich werde weiter berichten. Fridolin ist, das spüre ich, noch nicht fertig. Das Backofenrost war erst der Anfang. Irgendwo in den Tiefen unseres Haushalts gibt es noch Dinge, die er im Auge hat. Dinge, die wir noch nicht vermissen. Dinge, die wir erst vermissen werden, wenn sie weg sind.
Falls ihr selbst Erfahrungen mit einem Fridolin gemacht habt – mit Gegenständen, die sich in Luft aufgelöst haben, mit seltsamen Geräuschen zur Unzeit, mit Schokolade, die schneller leer ist als erklärbar –, dann schreibt es mir gerne in die Kommentare. Ich bin gespannt. Und Fridolin vermutlich auch, auch wenn er sich das nicht anmerken lässt.
Backbleche bitte ich nach wie vor als Gegenstand des laufenden Ermittlungsverfahrens zu betrachten. Hinweise werden vertraulich behandelt.