Seit dem Sommer nutze ich für längere Unternehmungen ja meinen Aktivrolli, mit einem Augenzwinkern die „Flitzpiepe“ genannt.
Damit sich der Rollstuhl weniger wie das Sinnbild von Krankheit und Behinderung schlechthin anfühlt, habe ich nach und nach ein paar Dinge angepasst und aufgehübscht.
Denn wenn ein Rollstuhl schon zu meinem Alltag gehört, dann soll er bitteschön nicht auch noch wie ein anonymes, langweiliges Hilfsmittel aussehen. Meine Kleidung, die Handtasche oder die Handyhülle sind ja auch nicht nur praktisch, sondern dürfen gern meinen Style zeigen!
Also habe ich angefangen, den Rollstuhl Stück für Stück zu „customizen“: mit Aufklebern, Reflektoren und ein paar praktischen Extras. Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass die Flitzpiepe nicht nur funktional ist, sondern auch einfach eine persönliche Note bekommt. 💛
Die Ausgangsbasis
So sah der Rolli am Anfang aus:

Das Metallicrot als Rahmenfarbe hatte ich bei der Bestellung geordert, ansonsten sind das alles die Standardkonfigurationen.
Die folgenden Bilder sind im Laufe der Zeit entstanden, daher zeigen sie unterschiedliche Stadien der Anpassung und manchmal siehst du auf einem Foto schon etwas, was ich dann erst weiter unten im Beitrag anspreche. Sorry für das leichte Chaos. 😀
Los ging’s im Sommer mit den ersten Details:

Der Getränkehalter
Fangen wir mit dem Wichtigsten an – einem Getränkehalter. 😅
Würde ich mit einer Hand mein Getränk halten und nur mit der anderen einen der Greifreifen antreiben, würde die Fahrt im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich rund laufen – ich würde nämlich nur im Kreis fahren. 🤪 Und während man sich eine Flasche ja noch zwischen den Beinen einklemmen kann, sieht das mit instabilen Pappbechern schon ganz anders aus.
Daher habe ich mir einen Getränkehalter bestellt, den man auch am Kinderwagen, Rollator und so weiter montieren kann.

Beim Anbringen mussten wir etwas kreativ werden, da die Streben meines Rollstuhlrahmens etwas eigenwillig geformt sind und da nicht viel Platz ist. Bei anderen Rollstuhlmodellen (oder am Kinderwagen etc.) lässt sich so ein Getränkehalter vermutlich einfacher festmachen. Wir mussten auf eine der dünneren waagerechten Streben ausweichen, haben die Halterung ein bisschen unterfüttert und schon hält es.
Super praktisch für unterwegs, wenn man entweder auf einer Veranstaltung ein Getränk kauft oder sich halt eine Trinkflasche mitnimmt!

Es gibt auch Getränkehalter speziell für Rollstühle (google mal nach Quokka Cup Holder), wo man einen Adapter am Rahmen befestigt und den Getränkehalter dann auch einfach abnehmen kann, etwa für den Transport. Bei der Bauweise meines Rollis ist für so einen Adapter aber kaum Platz, weswegen ich mich für dieses Modell entschieden habe.
Aufkleber

Der niedliche Katzensticker auf dem Getränkehalter stammt aus diesem Set hier:
Einen anderen Aufkleber aus dieser Tüte musste ich einfach auf den Antriebsregler pappen… 😂

Sternchen auf den Rädern
In der Mitte der Räder befindet sich ja der Antriebsmotor, der e-motion DuoDrive. So viel graue Fläche schreit doch förmlich nach etwas Dekoration, oder?

Die Sternchen kommen aus zwei verschiedenen Aufklebersets:
Den Rest der Sterne habe ich auf meinem Auto angebracht. 😀
Reflektoren in den Speichen
Reflektoren müssen ja nicht nur rein funktional sein und für bessere Sichtbarkeit sorgen. Sie dürfen auch schicker sein als diese langweiligen orangefarbenen Plättchen, finde ich!
Deswegen habe ich mir bunte Speichenreflektoren gekauft, die eigentlich für Kinderfahrräder gedacht sind, aber hey. 😎
Die Stäbchen sind hinten eingeschlitzt und man steckt sie einfach auf die Speichen drauf.

Ursprünglich hatte ich nur lilafarbene Reflektoren und hatte die mittig auf den Speichen angebracht.
Mittlerweile habe ich die lilanen Reflektoren auf den vorderen Speichen ganz nach unten Richtung Radmitte geschoben und zusätzlich auf den hinteren Speichen ganz außen silberne Reflektoren ergänzt. Beim Fahren entsteht dadurch optisch ein silberner / weißer Ring außen sowie ein lilafarbener Ring innen. 🤩

Dass das Alber-Logo zufälligerweise auch Lila ist, passt natürlich echt gut.
Greifreifenüberzug
Die Greifreifen sind diese silbernen Teile, an denen man die Räder antreibt. Bei meinem alten Rollstuhl waren die zwar auch aus Metall, aber weniger glatt. Bei der Flitzpiepe habe ich gemerkt, dass ich da im Sommer mit schwitzigen Händen oder auch bei Regen durch die Nässe schnell abrutsche.
Von anderen Teilnehmern bei einem Rollitraining gelernt: es gibt Gummi-/Silikonüberzüge für die Greifreifen, durch die man besseren Grip bekommt. Im Winter muss man dadurch halt auch kein kaltes Metall anfassen. Ein weiterer netter Nebeneffekt ist, dass die Greifreifen dadurch dicker sind und mir die Finger nicht so schnell verkrampfen. Außerdem finde ich das Schwarz deutlich schicker als vorher. 🖤

Reflektierendes Einhorn
Kommen wir zur Kategorie „meh“: hinten auf der Rückseite der Lehne hatte ich im Sommer einen Einhorn-Bügelflicken angebracht. Eigentlich ist der zum Aufbügeln gedacht, er hielt aber auch lange wunderbar mit doppelseitigem, wasserfestem Montageband. Das Einhorn ist nicht nur sehr kitschig süß, es bietet halt auch nochmal zusätzliche Sicherheit, weil es reflektiert und ich damit von hinten besser gesehen werde.

Das Einhorn ist Teil eines 20-teiligen Sets mit verschiedenen Patches. Möglicherweise haben meine Freundin und ich einige davon auch in unseren Autos angebracht, beispielsweise um das Logo in der Mitte des Lenkrads abzudecken. 😀
Dieses MacGyver-mäßige Superband ist eigentlich der absolute Hammer – ich habe damit unter anderem das große Namensschild bei uns an der Haustür angebracht und der Kleber haftet sogar auf dem Klinker.
Irgendwann hielt das Einhorn aber nicht mehr und weil ich es nicht unterwegs verlieren mag, habe ich es jetzt erstmal nicht mehr neu festgeklebt… hat jemand von euch eine Idee, wie ich das zum Halten bringe? Zum Annähen ist das Einhorn zu dick, da komme ich mit keiner Nadel durch diese beschichtete Rückseite. Aufbügeln auf den Rolli mag ich es halt auch nicht. 🤔
Leuchtende Sternchen
Ich mag Sternchen, jawoll! 🤩
Auf die Stange hinten habe ich kleine Leuchtsterne geklebt, die ich übrigens auch an der Schlafzimmerdecke habe. Diese fluoreszierenden Glow in the Dark-Dinger.
Mal gucken, wie lange sie halten, bis jetzt sind sie noch nicht richtig nass geworden.


Mehr Bodenfreiheit
Einige weitere Anpassungen, die nicht direkt sichtbar sind, mir im Alltag aber helfen, folgten dieser Tage. Ich hatte nochmal im Sanitätshaus einen Termin vereinbart, um ein paar Details zu konfigurieren.
Wenn ich mit den e-motion Antriebsrädern fahre, muss ich aus Sicherheitsgründen diese kleinen Kippschutzräder hinten ausgeklappt haben. Die verhindern nämlich, dass man beim mitunter doch recht zackigen motorisierten Anfahren schwuppsdiwupps hintenüber kippt. Das ist mir mittlerweile zweimal passiert und Kinners, das ist nicht nur suuuuuperduperpeinlich in der Öffentlichkeit, sondern auch dezent schmerzhaft. 🫠

Allerdings kann man durch diese „Stützräder“ natürlich auch nicht so richtig kippeln (gleiches Prinzip wie früher in der Schule auf den Stühlen) bzw. einen Wheelie machen, also auf den Hinterrädern fahren… das muss man aber bisweilen, etwa um Bordsteine hochzukommen. Meine Antriebsräder hatten nur sehr wenig Abstand zum Boden, deutlich weniger als bei anderen Rollis. Sie ließen sich auch nicht verstellen.
Im Sanitätshaus wurde die Halterung daher gekürzt, sodass ich da jetzt mehr „Bodenfreiheit“ habe.

Nicht mehr schleifende Seitenteile
Die Seitenteile am Rolli geben einem Halt beim Sitzen und verhindern, dass Dreck von den Speichen an die Oberschenkel spritzt. Ich hatte allerdings bei der Flitzpiepe das Problem, dass zwischen den Seitenteilen und den Rändern nur ganz wenig Spielraum war – dadurch schleiften sie häufig und bremsten damit ungewollt, etwa wenn sie beim Transport im Auto auch nur einen Hauch verrutschten oder wenn ich eine dickere Jacke anhabe.
Bei anderen Rollstühlen kann man die Seitenteile wohl einfach auf verschiedenen Höhen einstellen, bei meinem ging das nicht. Daher hat das Sanitätshaus gebastelt und etwas anders gebohrt, sodass ich da jetzt auch mehr Platz habe und nichts mehr bremst.

Ein anderes Sitzkissen
Auch ein anderes Sitzkissen habe ich mitlerweile. Mit dem mitgelieferten Standard habe ich Rückenschmerzen bekommen, deswegen ist da jetzt ein festeres Spezialkissen im Einsatz.
Aber lieber Hersteller… wieso in aller Welt hast du dein Logo so komisch platziert, dass es nur halb sichtbar ist?! 😩

Das hat meinen inneren Monk so angekekst, dass ich kurzerhand ein Stück schwarzes Tape draufgeklebt habe und darauf wiederum einen Aufkleber, den ich mal in irgendeinem Ein-Euro-Laden gefunden habe. 😀

Alles in allem helfen mir diese kleinen kreativen Anpassungen, mich mehr mit der Flitzpiepe anzufreunden. Wenn du noch mehr Ideen hast, immer her damit! 😀



Find ich cool, wenn Du deinen „Rolli“ etwas aufmotzt. Gut, Aufkleber und Co sind Geschmackssache, aber schleifende Kissen und „abrutsch- Greifringe“ und die Anti- Kipprollen, die viel zu wenig Kippung zu ließen braucht kein Mensch. Ich frage mich immer, wer soetwas konstruiert. Aber falls es Dich beruhigt: bei meinem Auto haben die Fächer in den Türen große Öffnungen die nur eine kleine Kante zum Fachboden haben- knallt man die Autotür zu, fliegt das Meiste raus. Und ich fahre einen Citan…. (Mercedes).
Japs, manche Sachen sind irgendwie nicht durchdacht. Keine Ahnung, ob da verschiedene Einzelgewerke nicht gescheit koordiniert wurden, ob am Ende keine QA gemacht wurde oder woran es liegt… so sollte Produktentwicklung halt echt nicht laufen.
Da seid ihr ja stellenweise richtig kreativ geworden, mega! Mein Favorit sind auf jeden Fall die lila Reflektoren.
Danke! 😀
Ich mag übrigens deinen Blog. <3
Sehr stylisch. Wenn ich den Artikel meiner Mutter zeige, will sie das vermutlich genau so umgesetzt haben. Mal schauen was so geht. 😊 Aktuell baumeln an ihrem Rolli irgendwelche kleine Teddys und so was . Aber da ist noch viel Luft nach oben. 👍
Dann wünsche ich euch schon mal viel Spaß beim Kreativwerden! 😀
Oh danke, das freut mich. Ich entdecke auch grade deine anderen Projekte wie die Bloghexe und fülle meinen Feedreader… 😊
Oh, das freut mich – ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen! 🙂
Mega gut.
wegen dem Einhorn, vielleicht gehen da Posterstrips? gibt es doch auch für Nassräume, vielleicht hält das besser?
Das ist eine gute Idee, werd ich mal ausprobieren! Danke dir. 🙂
Hallo Anne,
die Sticker sind ja mal mega schön und ja klar, warum sollte ein Hilfsmittel nicht auch schön aussehen? 🙂 Ist ja bei Brillen ja auch so. Wenn ich mir überlege, wie meine erste Brille aussah, oh weh. xD
Die Idee ein Hilfsmittel aufzuhübschen finde ich toll. Besonders die Leuchtsteine sind auch mega!
Ich wünsche dir auch ein schönes, friedliches Weihnachtsfest! 🙂
Liebe Grüße, Anja
Stimmt, Brillen sind da auch ein gutes Beispiel für. 🙂