Amphi-Festival 2010

Amphi-Festival 2010

Das Amphi-Festival 2010 fand wieder in gewohnter Amosphäre auf dem Gelände des Kölner Tanzbrunnens statt und zog Tausende Besucher aus der Schwarzen Szene an.

Dieser Bericht ist ursprünglich für mein Online-Musikmagazin BlackLive.de entstanden, das ich von 2008 bis 2013 geführt habe. Damit die Bilder und Texte nicht auf meiner Festplatte verstauben, habe ich sie 2025 hierher zurückgebracht.

Die Zahlen sprechen für sich: stolze 16.000 Besucher wies das ausverkaufte Kölner Amphi-Festival dieses Jahr auf, ein neuer Rekord in der nunmehr sechsjährigen Festivalgeschichte! Auch aus dem Ausland waren viele Szenegänger angereist – einige hatten sogar den weiten Weg aus Kanada oder Australien auf sich genommen. Wow!

Ebenso abwechslungsreich wie das LineUp – mit zahlreichen TopActs wie etwa Anne Clark, Skinny Puppy oder Blutengel – gestalteten sich auch die Outfits der Besucher: von Grufties, Steampunks und Cybers über Uniformierte bis hin zu eher leger mit Bandshirts bekleideten Festivalgängern war so ziemliche jede Strömung der schwarzen Szene vertreten.

Samstag, 24. Juli 2010

Für uns begann das Amphi-Festival im Theater, mit der Vorführung des neuen Welle: Erdball-Films Operation: Atahualpa. Nach einigen technischen Schwierigkeiten hieß es denn endlich “Film ab!”, und für die nächsten anderthalb Stunden wurden Honey und die Seinen als Schatzsucher quer durch die Weltgeschichte begleitet. Der Welle: Erdball-typische Sound kam für meinen Geschmack etwas zu kurz… naja.

Draußen eröffneten derweil Zin, die Gewinner des New Talents Special am Freitag, das Festival auf der Mainstage, gefolgt von Din [A] Tod.

Dieses Jahr wurde das Theater tagsüber ausschließlich für die Filmvorführungen und Lesungen genutzt, sodass sich die zweite Bühne im Staatenhaus (ehemals Rheinparkhallen) befand. Der Innenraum von selbigem besticht nun nicht gerade durch übermäßigen Charme… aber es war ohnehin so dunkel, dass man außer dem bunten Leuchten diverser Knicklichter und sonstiger Cyber-Accessoires nicht allzu viel sah. :o)

Dort ging es um 12 Uhr los mit Miss Construction, dem Seitenprojekt von Chris Pohl (Blutengel) und Gordon M. (Terminal Choice) sowie Destroid.

Generell kam es an diesem Wochenende zu vielen Überschneidungen zwischen den Auftritten auf der Mainstage und im Staatenhaus, sodass die Entscheidung für oder gegen eine der beiden Locations nicht immer ganz leicht fiel.

Nach dem Film schlenderten wir zunächst einmal über das Gelände, begleitet von den dunkel-rockigen Klängen von End of Green auf der Mainstage, um dem Team vom DunkelVolk-Stand einen Besuch abzustatten, das wieder einmal als Fundbüro fungierte, Programmhefte bereithielt, und wichtige Infos wie Fahrpläne und Hotels heraussuchte.
Auch an Shoppingmöglichkeiten mangelte es natürlich nicht. Schade allerdings, dass die Preise für Speis und Trank derart gesalzen waren (5 € für ein Stück Margherita?! 4 € für ein Bier?!) – der kostenlose Trinkwasserspender ist hingegen löblich zu erwähnen.

Im Staatenhaus haute der Hamburger Faderhead, unterstützt von seiner Live-Crew Alex Montana und Marco Visconti, den Anwesenden ordentlich Elektro um die Ohren.

Faderhead @ Amphi-Festival 2010

Die Schweden von Ashbury Heights hatten zwar ein wenig mit der Technik zu kämpfen, legten aber nichtsdestotrotz auf der Mainstage einen tollen Synthiepop hin.

Welle: Erdball spielten gewohnt souverän und wussten ihre Fans mit Klassikern wie Schweben, Fliegen und Fallen, Ich bin aus Plastik, dem France Gall entliehenen Poupée de Cire oder Wir sind die Roboter zu begeistern. Insbesondere bei Hits wie Und es geht ab oder Monoton & Minimal war der Bereich vor der Bühne denn auch ordentlich in Bewegung.
Das Andreas Dorau-Cover von Fred vom Jupiter hat mich im Vergleich zum Original leider nicht so ganz überzeugt, und über die Idee, Nicoles Ein bisschen Liebe zu covern, decken wir mal lieber das Mäntelchens des Schweigens…

Welle:Erdball @ Amphi-Festival 2010

Anschließend wurde die Mainstage mit großformatigen Engelsplakaten für den Auftritt von Blutengel hergerichtet. Während zynische Zungen den Mastermind Chris Pohl gerne als “Dieter Bohlen der schwarzen Szene” bezeichnen, hatten sich vor der Bühne dennoch unzählige Fans der Berliner Darkpop-Band versammelt.
Visuell untermalt von einigen Tänzerinnen in Engelsmontur spielten Chris Pohl und die beiden Sängerinnen Constance Rudert und Ulrike Goldmann schließlich eine volle Stunde lang.

Ich suchte nach den ersten paar Songs dann aber doch lieber den Beach Club auf – Gothics am Strand sieht man ja auch nur auf dem Amphi-Festival. 🙂

Im Staatenhaus, das jemand treffend als “Pumakäfig” titulierte, waren unterdessen Solitary Experiments, Nachtmahr, Funker Vogt und die Crüxshadows aufgetreten. Gerade bei letzteren fand ich es schade bis unverständlich, dass sie nicht auf der Hauptbühne spielen durften.

Um kurz vor sieben war es denn Zeit für Anne Clark auf der Mainstage.

Für Project Pitchfork hieß es noch einmal, sich ins Staatenhaus zu quetschen.

And One beschlossen schließlich den Abend draußen auf der Hauptbühne…

And One @ Amphi-Festival 2010

… während im Staatenhaus Skinny Puppy eine fulminante Show hinlegten.

Sonntag, 25. Juli 2010

Strahlender Sonnenschein begrüßte Ext!ze, die ihren Musikstil als “Cyber-Trance-Industrial“ beschreiben und den zweiten Festivaltag mittags auf der Hauptbühne eröffneten.
Weiter ging es dort mit Mono Inc. und Rabia Sorda. Im Staatenhaus spielten derweil Escape With Romeo, Frank the Baptist und Blitzkid, gefolgt von Coppelius.

Draußen legten Leaves’ Eyes einen großartigen Auftritt hin…

… und auch die darauffolgenden Mesh wussten das Publikum mit ihren Snythiepop-Hits wie etwa Crash oder Petrified eindeutig zu überzeugen.

Der Auftritt von Samsas Traum am frühen Abend im Staatenhaus stellte für mich dann einen der Höhepunkte des diesjährigen Amphi-Festivals dar: nachdem ich Alex Kaschte das letzte Mal vor zwei Jahren auf dem Blackfield-Festival live gesehen hatte und davon, wie viele, ziemlich enttäuscht war, gab es heuer dann ein Feuerwerk vornehmlich älterer Stücke: Für immer, Endstation.Eden, Stromausfall im Herzspital, Ein Name im Kristall, Die Zärtlichkeit der Verdammten, Ein Fötus wie du, Kugel im Gesicht, … mit Allein unter Menschen, Mr. Misantrophia oder Heiliges Herz kamen aber auch aktuelle Songs nicht zu kurz. Lediglich die “USA!!”-Rufe aus dem Publikum blieben erfolglos, auf Es war einmal… wartete man vergeblich. Nichtsdestotrotz eine geile Show!

Die unschöne Überraschung beim Verlassen der Halle: es hatte zu regnen begonnen, und daran sollte sich auch für den Rest des Tages nichts mehr ändern. Aber das ist man beim Amphi ja mittlerweile schon gewohnt, und so verschwanden etliche der gruftigen Outfits unter Regencapes vom Weltjugendtag 🙂 , und das graue, nasse und kalte Wetter konnte der Stimmung beim Auftritt von Combichrist nichts anhaben.

Nach Frontline Assembly betraten Diary of Dreams die Bühne im Staatenhaus und sorgten wie gewohnt für die perfekte Mischung aus harten Riffs und Gänsehautstimmung.

Dass ASP ein mitreißendes Live-Erlebnis sind, ist in der Szene alles andere als ein Geheimnis, und so hatte sich ungeachtet des Regenwetters eine große Besuchermenge vor der Hauptbühne eingefunden, die nicht nur den Refrain von Songs wie Sing Child, Denn ich bin der Meister, Werben, Lykanthropie oder Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe) lautstark mitzusingen wusste.

Auch Ron Harris, seines Zeichens Mastermind von VNV Nation, sorgte zusammen mit den Seinen für eine 1A Elektro-Stimmung, während im Staatenhaus die Letzte Instanz loslegte.

Die Jungs von Eisbrecher hatten schließlich die Ehre, als letzte Band des Festivals aufzutreten und ließen es ab 22.50 Uhr im Staatenhaus krachen.

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